SWOT Analyse
Die SWOT-Analyse gehört zu den bekanntesten Management-Werkzeugen überhaupt. Kaum ein Strategie-Workshop kommt ohne das Vier-Felder-Schema aus: Stärken, Schwächen, Chancen, Risiken. Gerade weil das Tool so zugänglich ist, wird es jedoch häufig falsch eingesetzt. In vielen Organisationen entsteht eine SWOT, die zwar sauber aussieht, aber keine Konsequenzen hat. Der Grund ist selten das Format – sondern die Art, wie die Inhalte entstehen.
Eine wirksame SWOT beginnt nicht mit Brainstorming, sondern mit einer klaren Fragestellung. Geht es um die Positionierung eines Geschäftsbereichs? Um die Einführung eines Produkts? Um eine Standortentscheidung? Je präziser der Kontext, desto brauchbarer werden die Aussagen. Eine SWOT, die „das Unternehmen insgesamt“ abbilden soll, driftet fast zwangsläufig in Allgemeinplätze ab: „Gute Qualität“ als Stärke, „Wettbewerb“ als Risiko. Solche Punkte sind nicht falsch, aber wertlos, weil sie nicht entscheidungsrelevant sind.
Evidenz als Schlüssel
Der zweite Schlüssel ist Evidenz. Stärken und Schwächen sind interne Faktoren – sie sollten möglichst mit Daten, Erfahrungen und konkreten Beispielen unterfüttert werden: Time-to-Market, Reklamationsquoten, Vertriebskanäle, Skill-Profile, Prozessreife. Chancen und Risiken sind externe Faktoren – sie müssen auf Marktbeobachtung beruhen: Kundentrends, Regulierung, Lieferketten, Wettbewerbsaktivitäten, Technologie. Sobald diese Evidenz fehlt, wird SWOT zum Meinungsbild und verstärkt oft nur bestehende Narrative.

Die eigentliche Leistung entsteht jedoch erst in der Ableitung. Eine SWOT ist kein Endprodukt, sondern ein Übergang zu Entscheidungen. Gute Praxis ist, die Felder gezielt zu kombinieren: Welche Stärken helfen, bestimmte Chancen zu nutzen? Welche Schwächen machen uns in einem Risiko-Szenario verletzlich? Daraus entstehen konkrete strategische Initiativen, priorisierbar nach Impact und Machbarkeit. Wenn eine SWOT keine Initiativen hervorbringt, war sie im besten Fall ein Orientierungsgespräch – im schlechtesten Fall Zeitverbrauch.
Richtig eingesetzt, ist SWOT ein schnelles Tool zur Strukturierung komplexer Situationen. Es zwingt Teams, intern und extern zu unterscheiden, Annahmen sichtbar zu machen und strategische Optionen zu formulieren. Der Wert liegt nicht im Raster, sondern in der Disziplin, es als Entscheidungswerkzeug zu behandeln – nicht als Workshop-Ritual.





